Culipo, oder wie es heute heisst Corippo, ist eine kleine Gemeinde im Tessin. Die Gemeinde wurde 1224 das erste Mal erwähnt und hatte im Jahr 1850 die maximale Einwohnerzahl. Es waren genau 294 Bewohner!
Und heute? Nun, manche sagen 9 Einwohner, andere Quellen wiederum sprechen von 12 Einwohnern. Sagen wir so, der Ort ist mehr oder weniger leer. Weshalb gingen meine Frau und ich dort hin? Einfach, weil der Ort selbst autofrei ist und seit 1975 unter Denkmalschutz steht und wir die Häuser gerne sehen wollten. Weiterhin waren wir weiter hinten im Varzesca Tal an der sogenannten Römerbrücke und da lag Corippo auf dem Weg.
Corippo, liegt nur 15km vom Eingang des Varzesca Tals entfernt und wir sind nicht mit dem Auto nach Corippo gefahren. Der Ort selbst ist zwar autofrei, es führt aber eine kleine, befahrbare Straße bis auf den Dorfplatz. Dort kann man wenden und dann in Fahrtrichtung aus dem Ort raus, auf der rechten Seite am Straßenrand parken. Es stehen 15 Parkplätze zur Verfügung. Das klingt nach zu wenig – aber, Corippo ist nun tatsächlich nicht so stark besucht. In machen Quellen liest man, dass man zum Anreisen den Postbus benutzen solle, der auf den Kirchplatz fahren sollte. Ich kann das so nicht bestätigen. Unten, im Verzasca Tal hält der Bus (Linie 321) und von dort läuft man ca. 30 Minuten bis nach Corippo.
Wir hatten unten an der Hauptstraße geparkt und sind hoch gelaufen. Unten ist ein Restaurant, welches leider dauerhaft geschlossen ist und dessen Parkplatz hatten wir benutzt.
Auf dem Weg nach oben kamen wir auch an diesem Jenga-Spiel vorbei. Wir haben darauf verzichtet zu spielen………………………

Die Wiesen und die Hänge betrachtend muss man sich schon fragen, wie die Menschen hier Landwirtschaft betrieben haben.

Dorfplatz von Corippo
Wenn man nach Corippo hineinläuft, landet man zuerst auf dem noch geteerten Dorfplatz: Kirche, Casa Patriziale, Dorfbrunnen und das Albergo Diffuso. Letzteres bedarf später noch einer ausführlichen Erklärung. Wer es selbst nachlesen will kann das hier machen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass ich keinesfalls den Eindruck hatte, dass dies so funktioniert.


Die Kirche – Chiesa di Santa Maria del Carmine
Die Chiesa di Santa Maria del Carmine wurde zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert erbaut. Zu der Dorfgröße passend überzeugt sie durch ihre Schlichtheit.



Das Gemälde an der Kirchen-Außenseite.

Die Häuser und Gassen
Die Häuser schauen schon beeindruckend aus. Irgendwie massiv und schwer.

Im Ort zu laufen war für mich anstrengend. Hier alt zu werden, meine Frau und ich konnten uns das gar nicht vorstellen. Das Leben hier war auch für Junge nicht einfach. Die ganzen Treppen hatten keinerlei Geländer.

Die Planen auf vielen Dächern deuten es an, Wasser dringt ein. Ich hoffe, diese Dächer können repariert werden. Die jetzigen Eigentümer sind wohl weltweit verstreut. Von Australien bis Amerika. Das war anscheinend ein Problem, Gebäude für das Albergo Diffuso zu kaufen. Auch sind die Besitzverhältnisse selbst sehr kompliziert. Die Häuser wurden früher so vererbt: das Obergeschoss and den Sohn, der Rest an die Tochter. Wenn das nicht an sich schon nach Ärger klingt…………………

Corippo steht seit 1975 unter Denkmalschutz. Verrottete Fensterrahmen dürfen wohl ersetzt werden, die Größe der Fenster selbst darf aber nicht verändert werden.
Hier ein Haus mit Lebenszeichen! Dort wohnt jemand.

Schweizerische Kürbisse.

Albergo Diffuso
Ein über das Dorf verteiltes Hotel, das ist die Idee, die hinter dem Albergo Diffuso steht. Es wurde versucht, dem Dorf wieder etwas Leben einzuhauchen, indem man es für Touristen attraktiv machen wollte. Meine Information ist, dass es so insgesamt 12 Zimmer oder 24 Betten über das Dorf verteilt gibt.
Das ist das Haus der beiden Verantwortlichen.

Die Idee an sich finde ich nicht schlecht, aber zumindest Anfang Oktober war es hier ziemlich leer. Falls jemand also in das Verzasca Tal reist um hier zu wandern, dann kann er sich auf der Webseite des Albergo Diffuso ein Zimmer buchen.
Und hier die Seite bei Ticino.ch wie es ursprünglich geplant war.
Fazit
Für uns waren es beeindruckende Stunden. Wir sind knapp 10km gegangen und haben die Landschaft und das autofreie Dorf bestaunt. Es sind einige Autos an uns vorbei nach Corippo gefahren – um 1 bis 2 Minuten später wieder an uns vorbei zu fahren, auf dem Weg weg von Corippo. Leute, es ist einen Besuch wert! Die Häuser sind erhaltenswert, sie sind ein Stück vergangene Kultur.
Zusatz
Die Straße nach Corippo ist gesäumt von Esskastanienbäumen. Die Früchte waren alle reif und wir haben welche gesammelt, weichgekocht und gegessen. Selbst geklautes schmeckt doch am Besten!


